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Störung ist deine Identität – na prima!

Identität: essgestört

 

Heute bin ich auf einen guten Blogartikel zum Thema Essstörungen gestoßen und dennoch fiel mir ein Satz etwas unangenehm ins Auge: „Psychotherapie ist auf jeden Fall notwendig“. Nicht, weil Psychotherapie etwas Schlimmes wäre, sondern weil diese Aussage auf mich so einschränkend wirkte.

Wenn ich mal zurückblicke, habe ich sicher einige 100 Stunden mit verschiedensten Therapien verbracht. Das Ergebnis waren kurzfristige Veränderungen. Und ich bin mir sicher bzw. weiß ich es in einigen Fällen auch genau, dass ich mit diesem Problem nicht die einzige war. Daher stelle ich jetzt mal eine These auf, für die ich von einigen bestimmt Kopfschütteln ernten werde.

„Psychotherapie hilft nicht bei jedem und kann sogar zu einer Vertiefung des Krankheitsbewusstseins führen“

Ok, ich werde es etwas moderater ausformulieren: vergleichen wir es einfach mal mit Milch. Die ist für Babys erst lebenswichtig, später im Leben dann relativ überflüssig und – abhängig von den im Körper aktiven Enzymen etc. – sogar schädlich. Es gibt auch Medikamente, die dem einen Menschen helfen und dem anderen nicht – warum sollte es also bei Therapiemethoden anders sein?

Ich habe von meinem ersten Probeleser Kritik dafür geerntet, dass ich mit dem Wort „Therapie“ einfach alles über einen Kamm schere, also möchte ich das gleich zu Beginn des Artikels richtigstellen: mir ist bewusst, dass es erstens viele verschiedene Therapieformen gibt und zweitens, dass diese jeweils von unterschiedlich talentierten, motivierten oder kompetenten Therapeuten oder Psychologen ausgeführt werden. Und wenn sich jemand zum ersten Mal entscheidet, sich seinem Problem zu stellen und in Therapie zu gehen, bin ich die erste, die „Hut ab!“ sagt.

Wenn ein Mensch ein Problem hat, möchte er darüber reden

Ich denke, diese Behauptung kann ich mal so stehen lassen. Nur: irgendwann darf dann auch gut sein mit dem Reden. Erstens, weil wir uns daran gewöhnen, über Probleme zu sprechen und nicht daran, ein Lösungsorientiertes Denken zu erlernen (darauf gehe ich hier nicht weiter ein) und zweitens wage zu behaupten, dass die meisten essgestörten, die schon einen längeren Weg hinter sich haben, längst wissen, wo die Dysfunktionen in ihren Familien liegen. Viele können vermutlich sogar das eine auslösende Erlebnis nennen, mit dem ihre Krankheit begonnen hat.

Und genau da liegt der Knackpunkt: während unser Verstand sich auf diese vermeintlich logische Erklärung stürzt, passiert etwas Interessantes: unser Gehirn erstellt eine Verknüpfung. „Weil meine Mutter mir damals kein Eis kaufen wollte, fühlte ich mich vernachlässigt und seitdem versuche ich, ihre Aufmerksamkeit zu bekommen. Deswegen bin ich jetzt essgestört.“

Mir ist schon klar, dass das ein sehr oberflächliches Beispiel ist. Der Punkt ist nur der:

Unser Gehirn muss Verknüpfungen bilden

Dazu eine interessante Geschichte aus der Forschung. In den USA zeigte man Probanden Werbebroschüren von Disneyland, auf denen Bugs Bunny erwähnt und abgebildet wurde. Auf Nachfrage, begannen die Personen, von ihren Erlebnissen in Disneyland zu berichten und u.a. davon, dass sie Bugs Bunny gesehen oder ihm die Hand geschüttelt hätten.

Sie waren in der Tat alle mal im Disneyland gewesen. Jedoch wird man dort weit und breit keinen Bugs Bunny antreffen, da dieser zu WarnerBrothers gehört. Ihre Gehirn sahen sich jedoch gezwungen eine „logische“ Verknüpfung zu bilden. Also „war“ Bugs Bunny eben da. Punkt.  Hier das vollständige Experiment.

…und so manche Verknüpfung dient uns nicht

Was dadurch gezeigt wurde war, a) dass wir uns auf unser Gedächtnis nicht immer verlassen können und b) dass wir diese unnützen Verknüpfungen als Fakt akzeptieren. Stößt man jetzt also während der Therapie auf ein oder mehrere auslösende Erlebnisse, schafft unser Verstand eine uns nicht dienliche Verknüpfung: „weil das so war BIN ich jetzt essgestört“.

Das Ungute daran ist nun, dass man die Essstörung somit zu seiner Identität machen kann. Wie soll man dem Verstand an dieser Stelle auch auskommen? Er beweist ja klar, dass es einen Grund für mein Verhalten gibt und weil dieser Grund existiert, existiert auch meine Störung.

„Ich bin“ sind übrigens machtvolle Worte für unseren Verstand und für unser Unterbewusstsein.

Dennoch kann sehr Therapie wertvoll sein

Denn die Betroffenen dürfen endlich mit jemand sprechen, der sie (mehr oder weniger gut) versteht, der sie nicht für ihr krankes Verhalten verurteilt und der durchaus Lösungsansätze bieten kann.

Soweit so gut. Jetzt hängt es nur leider auch von der betroffenen Person ab, wie erfolgreich das sein wird. Ich bin oft aus Sitzungen gegangen und dachte mir „jetzt habe ich es endlich verstanden!“ – und konnte es dann leider nie dauerhaft umsetzen.

Wie das Gehirn Heilung sabotiert

Im Buch, The Talent Code wird beschrieben, was im Gehirn passiert, wenn eine Person beginnt, etwas Neues zu lernen. Egal ob Sport, ein Musikinstrument, oder eine Sprache: laut dem aktuellen Stand der Forschung bilden sich durch die Wiederholung die Myelinschichten auf den Nervenverbindungen im Gehirn aus. Je öfter wir etwas trainieren, desto dicker die Myelinschicht, also desto besser werden wir.

Jetzt haben wir also unsere Verknüpfung, die man sich wie eine gut befahrene Datenautobahn im Gehirn vorstellen kann. Sie sitzt fest und durch die Wiederholung einer oder mehrerer Verhaltensweisen (verstärkt durch das „ich bin“) wird sie größer und breiter. Nicht so vorteilhaft, wenn wir uns doch etwas Neues aneignen wollen.

Ein Lösungsansatz

Wie legt man nun eine gut befahrene Autobahn still? Die Straße zerstören ist aufwendig und schwierig. Was leichter geht, ist eine neue anzulegen und die alte überflüssig zu machen. Diese neue kann man sich zunächst wie einen Trampelpfad vorstellen. Klingt noch nicht sehr verlockend, ich weiß. Wie macht man den befahrbar?

Indem man ihm Aufmerksamkeit schenkt. Indem man neue Gedanken und Verhaltensweisen kontinuierlich pflegt und sich darauf konzentriert, was man denken und lernen möchte und nicht darauf, von was man wegmöchte. Das erspart viel kräftezehrendes Kämpfen.

Fokus auf das Ziel

Somit ist die Sache klar, zumindest in der Theorie. Konzentriere dich auf das, wo du hinmöchtest. Und auch wenn du zu wissen glaubst, was die Ursachen und Auslöser deiner jetzigen Verhaltensweisen sind: lass den Gedanken daran los, dass dich diese Verknüpfung ausmacht, dass sie deine Identität bestimmt.

Du kannst dir die Identität deiner Wahl aussuchen. Auch wenn es lapidar klingt. Erleichtern kannst du dir den Weg durch einfache Methoden, die diese alten Erlebnisse schwächen oder in deinem Gedächtnis ändern (wir wissen ja, dass dieses manchmal flexibel sein kann 😉 ), wie z.B. Hypnose oder Wingwave, um nur einige wenige zu nennen.

Allerdings funktioniert das nur, wenn du genug darüber geredet hast – ich meine damit: wenn du wirklich bereit für Veränderung bist! Du allein kannst und musst dich voll dafür entscheiden, wohin du willst – dann klappt es auch mit der neuen Identität!

Noch ein PS zur Milch-Metapher

Manchen Menschen schadet es nicht, ihr Leben lang Milch zu trinken sowie es manche Menschen weiterbringt, wenn sie ihre Probleme aussprechen dürfen.

Vielleicht sollten wir einfach nur vorsichtiger im Umgang mit Pauschalmeinungen sein. Der Mensch und sein Körper sind komplex und so kann sich auch die Lösungsfindung gestalten. Und dabei hilft eine gewisse Offenheit durchaus weiter.

 

 

 

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Fucking let it be – oder: es gibt keine Wahrheit!

Bei Laufen stellt sich bei mir immer ein angenehmer Gedankenfluss ein. Ich denke dabei einfach über die Welt und das Leben an sich nach, verarbeite Eindrücke.

Aktuell bekomme ich wahnsinnig viel Input. Da ich für meine Jobs auch auf Facebook unterwegs bin, lasse ich mich natürlich gerne von dem ein oder anderen Post ablenken. Am Ende des Tages ist das eine beachtliche Informationsflut. Auffällig dabei ist und bleibt: jeder möchte Recht behalten – und das nervt so unglaublich.

Es nervt einfach!

Natürlich hat jeder das Recht auf freie Meinungsäußerung und viele Berichte oder Kommentare sind gut recherchiert, fundiert, lehrreich und spannend. Dennoch drehen sie sich meistens nur um eine Seite und lassen glauben, dass die andere Seite der Medaille nicht existiert oder eben „schlecht“ ist.

Beispiel Pokémon. Ein Phänomen, das mich ehrlich gesagt überhaupt nicht interessiert. Bis ich auf den Post einer Mutter gestoßen bin, deren Tränen man zwischen den Zeilen erkennen konnte: sie war unendlich glücklich darüber, dass dieses Spiel ihr autistisches Kind dazu bewegt hatte, mit anderen Menschen auf der Straße zu interagieren, ihnen sogar in die Augen zu sehen.

Von allen anderen Seiten hört man bezüglich dieses Spiels eher Äußerungen in Richtung „es geht echt abwärts mit der Menschheit“

Affirmationen sind BlaBla

Immer wieder stoße ich auch auf Kritik an Affirmationen und Visionsarbeit. Mit Affirmationen mache man sich etwas vor, denn wenn sich das Unterbewusstsein sperrt, kann man sein Bewusstsein noch so sehr füttern und es bringt nichts. Sagen auch die Psychologen und ist einfach schlüssig!

Und was soll dieser Unsinn, sich selbst in reich vor dem Traumhaus vorzustellen – ist doch total oberflächlich, man muss sich eine klare Strategie zulegen!

Was ist aber mit dem Punkt, dass man durch Affirmationen erstmal erkennen darf, was man zB. noch für total absurd hält und was man tatsächlich doch aus ihnen ziehen kann – und wenn wir sie einfach nur als Anreiz sehen, uns weiterzuentwickeln. Nicht jeder Schritt muss doch gleich den Anspruch haben, die Lösung zu sein oder?

Träume sind Schäume?

Ja, SELBSTVERSTÄNDLICH ist es nicht Sinn der Sache, einen Wunsch ans Universum zu äußern und sich dann in den Liegestuhl zu legen. Natürlich darf man in Bewegung kommen. Nur ist der Sinn der Visionsarbeit zunächst einfach mal nur Klarheit zu gewinnen. Was möchte ich denn überhaupt?

Kleines Beispiel: ich wurde vor über einem Jahr von einer Kollegin dazu angehalten, mal deutlich auszuformulieren, was ich beruflich möchte. Nur die Ziele. Gesagt getan. Kein Masterplan, keine Strategien, wie ich da hinkomme. Intuitiv bin ich kurz darauf zu einem Event gefahren, habe mich an den „richtigen“ Tisch gesetzt und ein paar Wochen später genau den Job, den ich wollte.

So kann es auch gehen und ich bin überzeugt davon, dass wir viel erreichen können, wenn wir unserer Intuition folgen. Und das bedeutet im seltensten Falle, auf der Couch sitzenzubleiben!

Last but not least

So und jetzt noch eines meiner aktuellen Lieblingsthemen: spirituell oder nicht und wenn ja wie sehr?

Die derzeit aktuellen Geschehnisse auf der Welt möchte ich gar nicht großartig ausführen. Wie bereits in meinem letzten Artikel beschrieben, gibt es verschiedene Meinungsgruppen. Hater, intellektuelle und spirituelle. Jede Partei kritisiert die andere.

Die „Radikalen“ schimpfen auf die „Esos“, weil diese so naiv seien und alles mit Licht und Liebe lösen wollen. Sie kämpfen, kritisieren, schreien auf und ändern auch nur bedingt etwas. Klar, Informationen sind wichtig dafür, ein Bewusstsein für das zu haben, was gerade passiert. Und der Nebeneffekt der Informationsverbreitung: Angst und Hass.

Die „Esos“ wiederum kritisieren, dass die anderen immer nur kämpfen und sich gegen das aussprechen, was so in der Welt passiert anstatt es als Spiegel unserer Gesellschaften als solchen hinzunehmen und dann mit Liebe und Akzeptanz lösungsorientiert zu handeln.

Wie man sieht, lassen beide Ansätze zu wünschen übrig. Und genau darauf möchte ich mit dem Artikel auch hinaus:

Warum können wir Menschen eigentlich immer noch nicht akzeptieren, dass es keine Wahrheit gibt?!

  • Es gibt den freundlichen Asylbewerber von Nebenan, der mithilft, Deutsch lernt, sich integriert
  • Es gibt das „Arschloch“, der sich nicht auf Neues einlässt und meint, sein Weltbild in einer fremden Kultur durchdrücken zu müssen
  • Es gibt erfolgreiche spirituelle Menschen, die großartige Dienste an der Menschheit leisten
  • Es gibt auch den kiffenden weltfremden Ex-Hippie, der nur Theorien von sich gibt und vermutlich von Hartz 4 lebt
  • Es gibt geniale Mediziner und Wissenschaftler, die aus dem Antrieb handeln, den Menschen zu dienen und zu heilen
  • Es gibt Mediziner, die nicht über den Tellerrand schauen und vielen Menschen eher schaden, als sie zu heilen
  • Auf unserer Erde hat sich schon viel verändert, weil Menschen auf die Straße gegangen sind und demonstriert haben – GEGEN etwas.
  • Genau auf diesen Veranstaltungen ist auch viel Blut geflossen und viel Hass hochgebrodelt – wir meinen immer noch, dass wir mit Gewalt und Getöse mehr erreichen.

Also, wer ist jetzt scheiße? Was ist falsch, was richtig? Ich glaube, ich habe meinen Punkt deutlich gemacht.

Akzeptanz statt Hass – könnten wir das?

Egal, um welche Einstellung, Bevölkerungsgruppe oder welches Nintendo-Spiel es geht – wir dürfen lernen, dass vermeintlich schlechte Dinge anderen durchaus dienlich sein können oder Personen einfach nur aus ihrer besten Option heraus handeln. Ja, das ist nicht schön für uns und ja, es ist eine Herausforderung, eine solche Sicht zu akzeptieren.

Ich bin jedoch überzeugt davon, dass uns Akzeptanz viel weiter bringen kann, als Hass. Akzeptanz verbindet, Hass trennt. Wären wir, ich nenne es jetzt einfach mal „verbundener“, könnten wir auch gestärkt an Lösungen arbeiten.

Ultimativ und utopisch gedacht:

Wären wir alle miteinander verbunden (sind wir ja aus spiritueller Sicht) – so, dass wir es alle wahrnehmen könnten, würden wir uns auch besser akzeptieren und sicher nicht mehr gegenseitig niedermetzeln.

Ich glaube aber, dass ist zu groß gedacht. Für die meisten von uns ist es schon schwer, Dinge an uns selbst zu akzeptieren. Und leider funktionieren wir so, dass wir uns dann lieber auf den Mist und die Unzulänglichkeiten der anderen konzentrieren.

Ich finde z.B. die Muttis scheiße, die über ihren Kinderwägen rauchen und ihre Kinder Jeremy und Shalia nennen. Das wäre für mich auch ein ganz schöner Weg zur Akzeptanz, ganz zu schweigen Liebe.

Kein Lösungsansatz von meiner Seite, außer vielleicht der alte Spruch, mal vor seiner eigenen Haustüre zu kehren. Was diese Aussage den Menschen bringen soll, die aktuell blind vor Hass oder zerfressen vor Trauer sind… aber wie heißt es so schön: Einer darf mal anfangen.